Seit Version 1.0 benutze ich iTunes, um meine MP3-Sammlung zu verwalten. Und seit ich einen iPod habe, obliegt es iTunes, diesen mit Musik zu füttern. Doch seit spätestens Oktober 2004 erfolgt eine schleichende funktionelle Neuausrichtung von iTunes. Apple geriet nämlich durch die Einführung von "iTunes for Windows" und den iPod photo in einen Interessenkonflikt. Denn eigentlich müsste die Übertragung von Fotos auf den iPod in den Zuständigkeitsbereich des Programms "iPhoto" fallen, so wie iTunes für die Übertragung von Musik verantwortlich ist. Da aber einerseits iPhoto für Windows nicht zur Verfügung stand (und immernoch nicht steht), und Apple andererseits iPod und iTunes als einheitliches Produkt vermarktet (siehe z.B. Navigation auf apple.com), wurde diese Funktionalität in iTunes integriert. iTunes nicht als Jukebox-Anwendung sondern als Begleiter des iPod.
Mit der Einführung des iPod shuffle wurde schließlich der neue Aufgabenbereich von iTunes manifestiert: iTunes wurde zur Kontrollzentrale des iPod, sozusagen zum "abnehmbare Display" des iPod shuffle. Ohne iTunes wäre der Shuffle nichts weiter als ein USB-Speicherstick.
Da scheint es nur logisch, dass Apple mit dem heutigen Update auf iTunes 4.8 auch die Funktionalität nachgerüstet hat, Termine und Kontakte aus Kalender und Adressbuch mittels iTunes auf den iPod zu übertragen.
Wenn jetzt aber die Funktionalität von iTunes erweitert wird, um die iPods zu unterstützen, warum ist dann mit dem Upgrade von heute bei iTunes die Möglichkeit hinzugekommen, Videos in der Musik-Bibliothek zu speichern und auch innerhalb von iTunes abzuspielen? Warum verkauft Apple seit heute im iTunes Music Store (zunächst nur US) auch Musikvideos? Die logische Konsequenz wäre, dass iPods der nächsten Generation auch Videos abspielen können. Steve Jobs hat den Video-iPod immer abgelehnt, begründet unter anderem damit, dass es kaum legale Möglichkeiten gäbe, sich Filmmaterial zu beschaffen, welches man auf dem iPod anschauen könnte. Zumindest dieses Argument wird gerade Apple-seitig aus der Welt geschafft.
Doch während diese Entwicklung einigermaßen sinnvoll und erklärbar ist (und mir ein Lächeln abringt – endlich der iPod video), macht mir etwas Anderes größere Sorgen. Ausgerechnet unter Mac OS X, dem angeblich so intuitiv bedienbaren Vorzeige-Betriebssystem (war zumindest immer meine Meinung), sind plötzlich Funktionalitäten scheinbar wahllos auf verschiedene Anwendungen verteilt:
- Warum kann iTunes Filme abspielen?
- Warum benutze ich nicht iPhoto zum übertragen meiner Photos?
- Warum muss ich mein Handy mit iSync synchronisieren, meinen iPod aber mit iTunes?
iSync verliert also offensichtlich an Bedeutung. Die .mac-Synchronisierung ist schon mit Erscheinen von Mac OS X 10.4 ("Tiger") in die einzelnen Programme (Mail, iCal, …) verlegt worden. Das allerdings auch nicht konsequent, denn in iSync gibt es immernoch einen Punkt ".mac". Meinen iPod kann ich mit iSync nun auch nicht aktualisieren (Apple behauptet zwar im Web und in der Hilfe-Funktion das Gegenteil, Fakt ist aber, dass iSync meinen iPod nicht zu den zu synchronisierenden Geräten hinzufügen will, die Synchronisation über iTunes hingegen reibungslos läuft.)
Scheinbar erfolgt eine konzeptionelle Neuausrichtung der Synchronisationsvorgänge bei Apple. Hoffen wir, dass alles in absehbarer Zeit wieder sinnvoll strukturiert ist. Und fragen wir uns noch kurz, ob man da nicht in Tiger gleich etwas vernünftiges hätte programmieren können statt knapp 2 Wochen nach Erscheinen des Systems rumzuflicken…